Über Allergien und die tägliche Praxis
Viele Hundebesitzer sind noch der festen Überzeugung, dass Hunde unbedingt Fleisch brauchen. Wie ist Ihre Meinung als Tierärztin dazu?
„In meiner Praxis stelle ich fest, dass es oft gerade die tierischen Proteine sind, die Probleme bereiten. Für 90 % aller Hunde, die an einer Nahrungsmittelallergie leiden, ist eine pflanzliche Ernährung daher gut. Dann wird aus einem pflanzlichen Futtermittel plötzlich statt einer Alternative ein logischer erster Schritt. Mehr noch: Bei uns stellen inzwischen rund 80 % der Hundebesitzer, deren Hunde Beschwerden haben, sofort auf eine pflanzliche Ernährung um. Ganz einfach, weil es hilft und einfach umzusetzen ist.“
Über Wirksamkeit und Therapietreue
Warum ist pflanzliches Hundefutter in der Praxis so erfolgreich?
„Das liegt nicht nur an der Zusammensetzung, sondern auch am Gebrauch. Viele herkömmliche Diätfuttermittel, etwa hydrolysierte Proteine, sind teuer und oft auch weniger wohlschmeckend. Dadurch halten die Hundebesitzer die Therapie oft weniger gut durch. Pflanzliche Futtermittel sind im Allgemeinen kostengünstiger und schmecken den Hunden auch besser. Das macht es auch für die Besitzer einfacher. Und die Therapietreue ist natürlich entscheidend für das Ergebnis. Etwa 90 % der Hunde reagieren positiv darauf.“
Über komplette und vollwertige Ernährung
Es wird noch viel über Nährstoffmangel diskutiert. Ist eine pflanzliche Ernährung wirklich vollwertig?
„Ich verstehe die Besorgnis, aber in vielen Fällen ist sie inzwischen wirklich unbegründet. Nicht die Zutaten sind ausschlaggebend, sondern die Nährwerte. Wenn das Futter alle essenziellen Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält, bekommt der Hund wirklich alles, was er braucht.“
Die Frage ist also nicht, ob tierische Zutaten notwendig sind, sondern wie sich ein vollwertiges Tierfutter zusammenstellen lässt. Und das ist heute auch auf pflanzlicher Basis absolut möglich.“
Über die Marktakzeptanz
Woher kommt dann der immer noch anhaltende Widerstand, vor allem bei Fachleuten?
„Die Veterinärbranche ist von Natur aus eher konservativ, und das ist an sich auch gut so. Schließlich geht es hier um die Gesundheit der Tiere. Diese Zurückhaltung führt aber auch dazu, dass neue Entwicklungen nur langsam akzeptiert werden. Aber fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse können diesen Prozess beschleunigen, denn dadurch entsteht Vertrauen. Vor allem wenn diese Erkenntnisse von Experten stammen, die sich voll und ganz auf die Nährwertbilanz und Sicherheit von Tierfutter spezialisiert haben.“
Über Nachhaltigkeit und Motivation
Spielt bei Ihren Empfehlungen auch die Nachhaltigkeit eine Rolle?
„Für mich persönlich schon. Wenn wir weniger von tierischen Proteinen abhängig sind, trägt das auch zum Umweltschutz bei. Als Tierärztin hat für mich aber immer die Gesundheit der Tiere Priorität. Das Gute ist, dass mit einer pflanzlichen Ernährung beiden Zielen gedient ist: Der Hund erhält eine gesunde Ernährung und man leistet zugleich einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.“
Über Praxiserfahrungen und die Zukunft
Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für pflanzliches Hundefutter ein?
„Ich glaube, dass es immer mehr zur Normalität wird. Nicht als Nischenprodukt oder bewusste Entscheidung für eine vegane Ernährung, sondern einfach als vollwertige Alternative im Gesamtangebot. Was dabei hilft, ist, dass die Produkte immer besser werden – ein vielfältigeres Angebot, bessere Akzeptanz und die richtigen Nährwerte. Dann erübrigt sich die Diskussion irgendwann ganz von selbst.“